____________________________
____________________________
____________________________
____________________________
____________________________
Der nachfolgende Artikel ist ein Teil- auszug einer Publikation und wurde vom Autor frei zur Verfügung gestellt.
Kampfkunst und
Selbstverteidigung zur Gesetzesvollstreckung
(Law Enforcement)
Immer wieder gibt es die Frage ob "einfache" Polizisten, also keine Angehörigen einer Spezial- oder Sondereinheit eine Kampfkunst beherrschen sollten, und welche die Beste sei.
Heute kann weltweit keine Polizei mehr ohne Kampfkunst, im weitesten Sinne, auskommen. Allerdings mit Judo oder Jiu-Jitsu ist es heute nicht mehr getan. Für den Polizeibeamten, ist nicht alleine die Selbstverteidigung wichtig oder die Fixierung eines möglichen Täters, vielmehr ist Empathie und Fingerspitzengefühl gefragt. Gerade weil der Polizist zu einer rechtlich korrekten und humanen Handlung gegenüber einem vermeintlichen oder tat- sächlichen Täter verpflichtet ist, muss der Beamte psychologisch bestens geschult sein, um nicht selbst zum Täter zu werden. Gar nicht so selten, finden sich Polizisten in einer lebensbe- drohlichen Gefahr wieder, die aus einem harmlosen Geplänkel ent- standen ist. Meistens müsste es gar nicht so weit kommen! Denn der gut geschulte Exekutivbeamte deeskaliert die Situation oder leitet einen Zwangseingriff ein, bevor der Kontrahent Gewalt anwenden kann.
Von Behörden hört man entweder, dass der Polizist zwar bestens geschult sei aber eine persönliche Fehlleistung begangen hat, oder dass von der Politik Geldmittel gekürzt wurden.
Polizisten arbeiten heute nicht nur in Deutschland in einer extrem prekären Situation, dass man sich wundern müsste, wenn sich ein junger Mensch für diese Laufbahn entscheidet.
Jetzt zum eigentlichen Thema, der Kampfkunst.
Alle klassischen oder modernen Kampfkunstarten haben für den Fall eines Zwangsvollzugs nicht zu vernachlässigende Nachteile. So brauchen beispielsweise viele Techniken einigermaßen Platz, der nicht immer vorhanden ist. Andere wieder sind zu passiv, was psychologisch ungünstig erscheint. Auch am Boden kullern, wie beim sonst sehr effektiven Brasili- anischen Jiu-Jitsu, ist zwar oft nicht vermeidbar, jedoch für den Exekutivbeamten eine unge- eignete und gefährliche Position. Ebenso sind einige Kampfkünste besonders sensitiv was Größe und Gewicht der Kontrahenten betrifft. Aikido wiederum hat viele Fall-, Abroll- und Drehmuster, die in einem Dojo toll wirken mögen auf der Straße aber ungünstig sind oder im Hausflur gar unmöglich. Thai-, Kick- und westliches Boxen kann den Gegner ernsthaft verletzen oder zumindest kräftige Spuren hinterlassen, die dem Beamten eine interne Unter- suchung kosten können. Auch kritische Stürze des Gegners sind kaum zu vermeiden. Selbst, könnte der Polizist seine Leithand für einige Minuten unbenutzbar machen. Immer dringender werden Entwaffnungstechniken, da der Polizist selbst, nur in äußersten Notfällen von seiner Waffe Gebrauch machen darf.
Arten wie Karate, Tae-Kwon-Do oder klassisches Shaolin, empfinde ich als die falsche Wahl für einen Polizeieinsatz.
Wie wir sehen, braucht es unbedingt eine moderne, an solche Situationen angepasste Technik. Besonders wichtig erachte ich, dass beim Coaching, in diesem Fall Sportkomponenten total entfallen sollten und der Real case trainiert werden muss. Genauso ist der Zeitdruck eines Polizisten zu berücksichtigen, denn der muss so schnell als möglich einsatzfähig sein und kann nicht in jahrelangem Training verharren.
Welche Kampftechnik am Ende auch entstehen wird, das gute alte Jiu-Jitsu wird heute noch eine wichtige Basis bilden. Es enthält die für einen Polizisten wichtigen Gelenkshebel (Joint locks), "Mitgeh-Griffe" und diverse Würfe. Auf diese Technik alleine aller- dings, darf man sich nicht mehr verlassen. Ebenso braucht es einige Hebel und Fixier- ungsmethoden des Brasili- anischen Jiu-Jitsu, falls sich der Bodenkampf nicht vermeiden lässt. Und, meiner eigenen Meinung nach, sind einige ausgewählte Praktiken des Wing Chun besonders geeignet.
Einige wenige Police officer in Amerika und Asien mit wirklicher Kampferfahrung aus dem Berufs- leben, unterrichten diverse gut angepasste Mischformen. In Kon- tinentaleuropa gibt es in dieser Hinsicht kaum Interessantes zu vermelden.
Immer wieder sind auch Nahkampftechniken im Gespräch, welche aber vollkommen unge- eignet sind, da sie das Ausschalten eines Gegners zum Ziel haben, was heißt, dass der Tod eines Menschen in Kauf genommen wird. Ebenso ist das Training von Spezialeinheiten die falsche Wahl. Dort wird haupt- sächlich die Handhabung mit Waffen geübt und der Kampf im Team, wo der normale Polizist vielmehr auf sich gestellt und faktisch "unbewaffnet" ist.
Somit wird der kleine Polizist weiterhin mit dem Einmal-in-der-Woche-Judo auskommen müssen und dem Instantkurs Psychologie für Polizisten.
Hans-Jürgen P., Polizeioffizier i.R. (Düsseldorf/Deutschland)
Black Belt Wing Chun
Black Belt Tae-Kwon-Do
____________________________
____________________________