Kampfkunst und Kampfsport wird nicht ver- ständlicher, wenn man allen Spekulationen und Theorien über deren Wurzeln folgt oder die chinesische Mythologie zur Klärung herhalten muss. Die Theorie, dass die Kampfkunst aus einem einzigen Ursprung, wie dem klassisch-griechischen
Pankration entstanden sein soll, ist zwar möglich aber unwahrscheinlich. Diese Annahme kommt vor Allem daher, dass die Chinesen die Einführung des
Shaolin-Kung Fu dem Inder Bodhidharma zuschreiben, dessen Techniken auf die einst in Indien eingefallenen Griechen zurück zu führen sein könnten. Weitaus ältere, bildliche Zeugnisse aus Mesopotamien untermauern die Annahme, dass "Kampfsport" vielleicht besser Kriegskunst, bei den meisten Völkern ausgeübt wurde.
Schriftlich belegt ist nur, dass ca. 600 n. Ch. die
Shaolin-Kampfmönche im chinesischen Reich schon sehr bekannt und auch berüchtigt waren. Viele lokale Machthaber, sogar Kaiser selbst, suchten mehrmals die Unterstützung der Shaolin Kämpfer. Mitte des 13. Jahrhunderts erreichten sie ihre Hochblüte und ab da tauchten in Korea und Japan die ersten "eigenständigen" Kampfkunstarten in der Öffentlichkeit auf.
Schon damals war das so genannte Kung Fu sportliche Ertüchtigung, wie es auch praktisch im Nahkampf eingesetzt wurde. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden verschiedene Schulen und Richtungen mit mehr oder weniger mystisch-religiösem Grundgerüst. Gleichzeitig breiteten sich die Kampf- künste in ganz Ostasien aus und vermischten sich möglicherweise mit nativen Kampftechniken. Viele weise Männer aus Japan, Korea und anderen Reichen Asiens, kamen nach China um Philosophie und Religion zu studieren und kamen als Kämpfer zurück in ihre Heimat.
Aber erst zwischen 1500 und 1600 durfte die Allgemeinheit die verschiedenen Formen erlernen.
Wushu, die eigentliche chinesische Bezeichnung für Kampf- und Kriegskunst bestand wahrscheinlich schon vor Christi Geburt, wo der Krieg teilweise "technisiert" wurde und der Taktik hohe Bedeutung zukam.
Später kamen eben die verschiedenen Kung Fu Derivate dazu und zuletzt auch noch Akrobatik.
Die heute bekannten und praktizierten Kampkunsttechniken, die aus Asien stammen, haben mit Sicherheit, wenn schon nicht den Ursprung, so doch eine unverkennbare Verwandtschaft zur chinesischen Urform.
In jedem Fall meinen wir Abkömmlinge des Wushu im weitesten Sinn, wenn wir von Kampfkünsten sprechen.
Kampfsport und
Kampfkunst (engl.:
Martial combat/Martial arts) sind nicht eindeutig zu trennen, vielmehr gehen sie ineinander über. Während im angelsächsischen Raum kaum bis gar nicht unterschieden wird, sehen wir doch etwas differenzierter. Das Englische versteht in diesem Fall "Arts" mehr als Technik, wir dagegen begreifen Arts, also Kunst, selbst im Kampf als etwas hoch Stilistisches.
Der Kunst ist die äußere Form sehr wichtig und möchte einem dahinter liegendem Sinn Ausdruck verleihen. Ebenso gab es schon in den Anfängen der Kampfkünste, reine gesunderhaltende Formen, die man vielleicht als
Kampfgymnastik bezeichnen hätte können, wie auch der Wettstreit, also Kampfsport, hohes Ansehen genoss. Der eigentliche Kampfsport, wie wir ihn heute kennen, ist eher eine westliche Prägung und steht dem
klassisch-olympischen Geist näher als dem vielschichtigen Kontext, in dem sich die asiatischen Ausprägungen bewegen. Die chinesische Kampfkunst war in einem komplizierten Systemgeflecht integriert, das die
traditionelle Medizin (TCM) ebenso einschloss, wie eine hochspekulative Philosophie. Jedoch verwestlichen bereits viele der Kampfkünste - selbst in Asien - und haben nur noch wenig mit den Originalen gemein. Der bekannte Kampfsportler und Filmschauspieler
Bruce Lee, forderte eine Kampfkunst ohne Ideologie, Philosophie oder gar Politik.